Unsere Faustballabteilung wurde im Jahre 1900, so verzeichnet es die Chronik, durch Joseph Stöhr, genannt Pepi, zusammen mit den Turnbrüdern Fritz Baumann, Konrad Höfler, Heinrich Kussberger sen., Jean Neuhäuser, Leonhard Wendler, Andreas Zolles, Paulus Schopper, Franz Stöhr, Otto Stöhr und Julius Neubauer, ins Leben gerufen. Schon bald nach der Gründung stellten sich die ersten Erfolge ein: Noch vor dem ersten Weltkrieg ist ein Sieg beim Bayerischen Turnfest in Ingolstadt verzeichnet. Danach setzte der erste Weltkrieg eine Zwangspause, doch anschließend ging es mit Begeisterung weiter. Dreimal in Folge, von 1925 -1927, konnten die Alten Herren jeweils die Bayerische Meisterschaft erringen. Unsere Faustballfrauen, sie waren des ewigen Alleinseins müde und hatten ebenfalls mit dem Faustballspielen begonnen, kamen 1938 zu Meisterehren.

Studiert man die Chronik, so wird erzählt, dass inzwischen eine neue Faustballgeneration herangewachsen war, die würdig in die Fußstapfen der Pioniere trat. Da heisst es unter anderem: "Die Leine wurde niedriger, der Ball kleiner, die Spieler aber immer grösser. Der Ball wird nun nicht mehr gemütlich von unten nach oben über die Leine gespielt, sondern mit Kraft von oben nach unten gedroschen". Aus dem gemütlichen Erholungsspiel war plötzlich ein Kampfspiel geworden und es wurde erwogen, diese "unfaire" Spielweise zu verbieten. Federführend für diese neue "unfaire" Spielweise war unser damaliger langer "Schläger" Christel Baumann, ihm folgte dann später unser "Schlickers" Stöhr nach.

Der zweite Weltkrieg brachte erneut Stillstand in das Sportgeschehen. Aber bereits 1946 wurden die übriggebliebenen Faustballer wieder aktiv. Schon 1947 gab es wieder eine Bayerische Meisterschaft zu bejubeln und damit auch die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften in Krefeld (3. Platz mit Dresel, Kußberger, Sperk, Feuerstein, Stöhr Hermann und Stöhr Wilhelm). In den folgenden Jahren war diese Mannschaft bei Deutschen Meisterschaften nicht mehr wegzudenken. 1952 konnte dann der größte Triumph gefeiert werden: Unsere AH 40 mit Franke, Kussberger, Rappel, Strauß und Wilhelm Stöhr (bekannt als Schlickers) wurde in Oberhausen Deutscher Meister. Die AH 50 wurde 1959 Bayerischer Meister und belegte im gleichen Jahr bei der Deutschen Meisterschaft den zweiten Platz.

Im Rückblick auf das Jahr 1964 ist festzuhalten, dass die damals noch junge Sportart Volleyball in unsere Abteilung aufgenommen wurde. Sie wurde umbenannt in Faust- und Volleyballabteilung, und auch hier stellten sich bald Erfolge ein. Da es zu dieser Zeit noch kein Hallenfaustballspiel gab, waren wir ,,Freilandfaustballer" sehr froh, die lange Winterszeit mit einem großartigen Hallenspiel mehr als überbrücken zu können. Nahezu alle Aktiven verschrieben sich dieser neuen Sportart und die Erfolge zeigten, dass sie damit recht gut zurecht kamen: Bereits in der Spielsaison 1965/66 wurden sie Meister in der Bayernliga, ein Erfolg, der 1970/71 wiederholt werden konnte. Dadurch aufgestiegen in die Süddeutsche Oberliga, errang die Mannschaft 1972/73 den Titel als Süddeutscher Meister und spielte damit in der neugeschaffenen Bundesliga. Was aber anfangs recht gut ging, nämlich den im Sommer auf Rasen spielenden Faustballern nun durch Volleyball im Winter eine Hallenspielart zu geben, ließ sich später durch die Einführung des Hallen-Faustballs nicht mehr fortführen. Im Jahr 1985 trennten sich dann Faust- und Volleyballer in eigenständige Abteilungen.

Aber zurück zum Faustball. Nachdem man 1947 freiwillig den Platz in der Nordbayerischen Meisterklasse, der damaligen höchsten bayerischen Spielklasse, aus Altersgründen aufgegeben hatte, dauerte es bis 1961, ehe es einer jungen Mannschaft gelang, wieder in die Bayernliga aufzusteigen. Etliche Erfolge, wie Siege bei den Bayerischen Turnfestspielen 1965 in Augsburg, 1970 in Ingolstadt, die Erringung der Meisterschaft in der Bayernliga 1972, zeigten, dass die Spieler Dirnecker, Stöhr, Meisel, Knippel, Bär, Feuerstein, Ittner und Ritter das Erbe ihrer "Väter" gut verwaltet hatten. Die AH 40 wurde 1972 Bayerischer Meister und eine neugegründete Jugendmannschaft wurde im gleichen Jahr auf Anhieb Nordbayerischer Jugendmeister.

Es folgten Jahre des Niedergangs der Faustballabteilung. Bedingt durch den Neubau unserer Sporthalle und dem Umbau des Sportplatzes wurden wir um unsere Faustballplätze sowie das in liebevoller Eigenarbeit von unseren "Vorfahren" in den 50er Jahren errichtete Faustballerhäuschen gebracht, und wir mussten lange Jahre auf teilweise nicht spielwürdigen Plätzen trainieren. Es ist nur der BSG Schickedanz zu verdanken - und hier sind in erster Linie Gerhard Schöbitz sowie Dieter Hess zu nennen - die es uns ermöglichten, dass, zusammen mit den Faustballern der BSG, noch ein einigermaßen geregelter Spielbetrieb aufrecht erhalten werden konnte. Jugendarbeit war, bedingt durch die fehlenden Trainingsmöglichkeiten, Fehlanzeige, was auch ein Artikel vom 02.09.1991 in den Fürther Nachrichten belegt. Zitat: "Die Konsequenzen fehlender Jugendarbeit sind auch in Fürth sichtbar. Beim TV 1860, Ende der sechziger Jahre die Nummer Eins in Sachen Faustball in der Kleeblattstadt, war für den Nachwuchs keine Zeit. Der damalige Bayernligist verfügt heute nur noch über zwei AH-Teams. Wann an der Coubertinstrasse die Lichter ausgehen, ist wohl nur noch eine Frage der Zeit."
Wie man sich doch täuschen kann! Die beiden genannten AH-Teams, ergänzt durch Spieler der BSG Schickedanz, spielten munter darauf los, belegten bei diversen Meisterschaften und Turnieren vordere und vorderste Plätze und hielten so die Tradition der Faustballer aufrecht. Es dauerte zwar noch einige Zeit, aber dann setzte sich im Faustballlager doch noch die Vernunft durch: Der Nachbarverein DJK Fürth, bekannt ob seiner langjährigen, erfolgreichen Jugendarbeit, schloss sich aus Platz- und Spielertechnischen Gründen unserer Abteilung an. Uns stand nach den langen Jahren der Ausquartierung ab 1996 wieder ein eigenes, mit Flutlicht ausgestattetes Trainingsgelände zur Verfügung. So konnte vor allem mit der Aufbauarbeit im Jugendbereich begonnen werden. Dem neuen Jugendleiter Günther Hübner, ehemaliger Abteilungsleiter bei DJK, und gezielten Werbemassnahmen ist es zu verdanken, dass wir seit dem Jahre 2001 wieder sechs Jugend- und Schülermannschaften sowie vier Männerteams am Spielbetrieb teilnehmen lassen können. Die Erringung des Titels eines Mittelfränkischen Meisters durch unsere Schülerinnen in der Klasse Jugend C, der zweite Platz unserer 1. Männermannschaft in der Bezirksliga, sowie hervorragende Ergebnisse der übrigen Mannschaften bei diversen Turnieren, belegen, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden, damit auch im 2. Jahrhundert des Bestehens der Abteilung weiterhin hervorragender und erfolgreicher Faustballsport geboten wird.

Und die Erfolge gingen weiter: Anscheinend angespornt von der erfolgreichen weiblichen Jugend, spielten im Jahr 2002 auch unsere Senioren in der Klasse AH 60 ganz groß auf. Im März nahmen sie zum ersten Male an den „Internationalen Österreichischen Staatsmeisterschaften“ im Seniorenfaustball teil, die in der Halle in Mistelbach bei Wien ausgetragen wurden. Auf Anhieb wurden sie Österreichischer Vizemeister, ein Erfolg, den sie im August des gleichen Jahres in Wels bei den Österreichischen Staatsmeisterschaften im Feld wiederholen konnten. Unsere Schülerinnen wurden mit dem Helene-Lange-Gymnasium Bayerischer Schulsportmeister, belegten bei der Bezirksmeisterschaft ungeschlagen den ersten Platz, wurden bei der Nordbayerischen Meisterschaft Zweite und hatten sich damit für die Bayerischen Meisterschaften qualifiziert, wo sie einen guten vierten Platz belegten. Unsere „Schlagfrau“ Lilli Huber wurde in die bayerische Jugendauswahlmannschaft berufen und wurde mit diesem Team beim Arge-Alp-Cup in Salzburg Jugend-Europameisterin.

Das Jahr 2003 brachte die bisher größten Erfolge unserer Faustballabteilung. Den größten Erfolg seit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft der damaligen AH 40 im Jahr 1952 erzielte im März unsere Seniorenmannschaft AH 60, denn sie belegte bei den „Internationalen Österreichischen Staatsmeisterschaften“ im Hallenfaustball in Linz ungeschlagen den ersten Platz und gewann so den Titel eines „Internationalen Österreichischen Seniorenmeisters“. Der Gewinn dieser Meisterschaft ist umso bemerkenswerter, war unser Team doch die erste deutsche Mannschaft, der es gelang, bei den österreichischen Titelkämpfen einen ersten Platz zu erringen. Im August dieses Jahres folgte noch ein hervorragender zweiter Platz bei den Österreichischen Meisterschaften im Feld.
Den absoluten Höhepunkt in diesem Jahr aber lieferte unsere weibliche Jugend „C“. Die Mädchen hatten sich über den Gewinn der Bezirksmeisterschaft, einem zweiten Platz bei den Nordbayerischen Meisterschaften, einem dritten Platz bei den bayerischen und einem zweiten Platz bei den Süddeutschen Meisterschaften für die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften qualifiziert. Zum ersten Mal in der nun über 100-jährigen Geschichte unserer Abteilung war es damit einer Jugendmannschaft gelungen, sich für eine Deutsche Meisterschaft zu qualifizieren, und es zeigte damit auf, welche erfolgreiche Jugendarbeit unter der Regie unseres Jugendleiters Günther Hübner, zusammen mit den Übungsleitern Bernadette Ritter und Kilian Röck, in den letzten Jahren geleistet wurde. Auch die Tatsache, dass inzwischen vier Spielerinnen unserer Abteilung in der bayerischen Jugendauswahl mitwirken - nach Lilli Huber wurden noch Judith Hebele, Linda Wolf und Julia Tinter berufen - belegt die hervorragende Jugendarbeit unserer Abteilung. Bei den Deutschen Meisterschaften, die im August dieses Jahres in Ursensollen bei Amberg stattfanden, erreichten die Mädchen, ergänzt durch die Spielerinnen Andrea Höfler, Stefanie Fink und Liane Marienburger, auf Anhieb die Endrunde und belegten dann letztendlich einen hervorragenden sechsten Platz.
Aber auch die anderen Jugend- und Mini-Teams hatten in diesem Jahr schon ihre ersten Erfolge erzielt. In der Bezirksrunde Mittelfranken erreichten unsere beiden Mini-„B“-Mannschaften die Plätze eins und drei, die männliche Jugend „C“ belegte bei der Bezirksmeisterschaft Platz zwei und auch das Team der weiblichen Jugend „A“ erreichte die Teilnahme an den Nordbayerischen Meisterschaften.

Diese Erfolge unserer Nachwuchsmannschaften lassen für die bevorstehende Hallensaison doch einiges erhoffen und bei einer kontinuierlichen Weiterverfolgung des bisher eingeschlagenen Weges sollte es uns um den Fortbestand unserer Faustballabteilung nicht bange sein.

Jürgen Feuerstein, Abteilungsleiter